Im Spannungsfeld der digitalen Revolution und der beobachtbaren Globalisierungseffekte wird uns immer mehr eine Komplexität unserer Welten bewusst, die sich dazu noch täglich erhöht.

Der Medien-overflow schafft durch Reflexion und Rückkoppelung in „Echtzeit“ über das Internet eine Erweiterung von Komplexität unserer technischen und sozialen Systeme, welche von den meisten Zeitgenossen nicht einmal Ansatzweise wahrgenommen wird.

Während dessen macht sich die „Ethik“ als Verhaltensprinzip in den Manageretagen breit. Um einigermaßen zu verstehen was momentan in diesem Sektor passiert, bedarf es folgender Eigenschaft: „Die Information einer Beschreibung hängt von der Fähigkeit eines Beobachters ab, aus dieser Beschreibung Schlussfolgerungen abzuleiten.“ (Heinz von Foerster).

Wissenschaftler diskutieren die Konsequenzen unserer vernetzten Welten und scheinen, wenn auch zögerlich, „kybernetisch“ zu denken, ohne den Begriff explizit zu benutzen.

Was dem einen Segen, ist dem anderen Fluch.
Wo in Deutschland noch um die „verlorene Cyberjugend“ getrauert wird, verdienen in weiter entwickelten Ländern Online-Gamer bereits ihr Geld im Cyberspace. Der Markt regelt sich eben durch Angebot und Nachfrage. Trendforscher, wie Gerd Gerken, erleben momentan die Anfänge der Erfüllung ihrer Prophezeiungen, die Vernetzung trägt bereits ihre Blüten. Doch was hat es mit dem Begriff „Kybernetik“ und dem davon abgeleiteten Wort „Cyber“ auf sich?

Systemics – Zusammen sehen

In den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts trafen sich in New York im Rahmen der so genannten „Macy-Konferenzen“ Elite-Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen, um eine alte Sichtweise wieder aufleben zu lassen. Schon von Homer, Platon und dem Apostel Paulus sind uns Texte überliefert, in denen es um „kybernètès“ geht.

Im Ursprung wurde damit die Steuermannskunst bezeichnet, und der Begriff wurde auch auf soziale Systeme (Gesellschaften) angewandt. Heute benutzt man eher die Begriffe „Ganzheitlichkeit“, „Nachhaltigkeit“, „Vernetztes Denken“ oder „Holismus“. Der scheinbare Anspruch an vollständiger Erklärbarkeit lässt jedoch viele straucheln.

Der philosophisch geschulte Erdenbürger hat es in diesem Themenkomplex schon etwas leichter.

Virtuelle Welten und der Traum vom Raum

Second Life hat sicherlich momentan ein absolutes Alleinstellungsmerkmal im Vergleich zu anderen Anwendungen. Nein, ich meine nicht die Instabilität der Technik 😉 . Es ist die Variabilität, welche dem System eine enorme Komplexität verschafft. Fangen wir mit der Gestaltung eines individuellen Avatars an! Welche sozialen Bindungen geht man ein? Welche Identität baut man auf?. Unterscheidet man zwischen SL und RL Identität?. Was ist Realität? Was ist Virtualität?

Nicht wenige landen bei Fragen wie „Was ist der Sinn des Lebens“, oder „meines Lebens“. Wer hier unkonditioniert in den Ring geht hat schwer zu kämpfen.

Dennoch ist es meiner Ansicht nach eher eine kleine Gruppe die sich überhaupt mit solchen Fragen ernsthaft auseinander setzt. Digital-Divide bekommt vielleicht in diesen Zeiten eine weitere Bedeutung.

Cyberspace…ein neuer Trend verändert unsere Kultur

Folgende Zeilen und die Kapitelüberschrift stammen aus dem Buch „Manager…Die Helden des Chaos“ (ab Seite 268) von Gerd Gerken:

„Cyberspace ist die Antwort des Pop auf das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Cyberspace ist Popkultur. Cyberspace ist die direkte Umsetzung der neuen Chip-Intelligenz in populäre Emotionen via Simulation. Cyberspace ist Simulation für jedermann. Es handelt sich um die Produktion von Tagträumen mittels Computer.

Die Visualisierung von Traumreisen im interaktiven Prozess. Der Reisende selbst unternimmt per Computer durch seine Phantasien Reisen, zu denen er in seiner Phantasie nicht fähig gewesen wäre. Die Idee von Cyberspace lautet also: das per Elektronik erleben zu können, was außerhalb der persönlichen Horizonte liegt.

Das Ganze ist eine Entwicklung der Computer-Wissenschaftler. Ihr Arbeitsbegriff: „virtuelle Realität“. Und das ist ein bedeutender Trend für die Wirtschaft, obwohl er technisch noch ganz am Anfang steht. In einigen Jahrzehnten werden wir mittels Cyberspace Fortbildung anders betreiben (emotionales Bilderlernen). …

Diese virtuelle Realität, die jetzt im Ansatz da ist, wird unsere abendländischen Vorstellungen von Realität immer mehr erschüttern. Die Künstliche Intelligenz schafft in Verbindung mit Video-Technologie das Erlebnis, das die Hyper-Realisten schon seit einiger Zeit kennen: Alle Wirklichkeiten sind nur erfundene Wirklichkeiten, und dadurch entsteht ein schamanistisches Weltbild…ganz im Gegensatz zum rationalen kartesianischen Weltbild. Im schamanistischen Weltbild gibt es viele Wirklichkeiten, die sich durch zirkuläre Erfindungs-Prozesse virtuell entwickeln und hochschaukeln.

Insofern ist dieser Trend viel mehr als ein interessanter technischer Trend. Er ist der Beginn einer Simulations-Epoche, die dem Credo folgen wird: Glaubwürdigkeit ist nur ein Spezial-Effekt der Simulation Besonders Marketing und Werbung werden stark von diesen neuen Fantasy-Trend umgeformt werden, weil unsere Kultur dadurch auf den „freien Flug der Assoziationen“ umschaltet. … Die Als-ob-Welt wird damit immer mehr zu einer normalen, seriösen Welt, während zugleich unser Alltag subjektiv immer mehr zu einem großen Kino unterschiedlicher Projektionen wird…“

Trotz aller Kritiker wird es weitergehen!

Natürlich treten viele Kritiker auf den Plan. Und natürlich ist dieser Themenkomplex „virtuelle Welten“ und „Cyberspace“ nicht das einzige, was uns in diesen Zeiten bewegt. Aber es ist ein wichtiger Faktor im Evolutionsprozess des Menschen.

Die Kritik, bezogen auf die Instabilität der von LindenLab entwickelten Anwendung, lässt den langjährigen Computernutzer kalt. Gleiches haben wir auf anderen Gebieten wie z. B. der computergestützten Musikproduktion erlebt.

Die Aussicht, dass wir mit der „Kybernetik“ bessere Kontrolle, bezogen auf unsere „Systeme“, erhalten, bleibt abzuwarten. Es wird eher eine kleine Gruppe von Interessierten bleiben, die dieses Thema überhaupt ernsthaft und konstruktiv diskutieren wollen und können. Für die anderen gilt: „Brot und Spiele“.