Jetzt könnte man sich fragen, warum schon wieder Helmut Schmidt bei mir ein Thema ist. Nun, dazu möchte ich kurz anmerken dass ich, 1968 geboren, zu der Zeit wo Schmidt Kanzler war, das „politische Denken“ anfing. Meine Eltern waren überzeugte Schmidt Wähler. Im Fernsehen beunruhigten uns Berichte über den RAF-Terror. Nicht selten begegneten einem im Alltag Fahndungsfotos der Terroristen. Als dann 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum Helmut Kohl sein Nachfolger im Amt des Bundeskanzlers wurde, begann ich wohl zu erahnen dass sich diese Welt permanent verändert. Um so mehr interessieren mich deshalb Dokumentationen wie die von Sandra Maischberger und Jan Kerhart welche am 04.07.2007 im ARD Fernsehen ausgestrahlt wurde (hier weitere Infos).

Hier ein Ausschnitt der Doku in dem Helmut Schmidt eine Rede vor dem Harvard Club hält. Ich habe mal die Untertitel zusammengefasst:

Helmut Schmidt

Manche Amerikaner meinen, der 11. September habe die Welt verändert.
Das ist so nicht richtig. Wohl aber hat sich der Blick der Amerikaner auf die Welt verändert.

Viele Europäer halten die Leitlinien , denen die amerikanische Außenpolitik seitdem folgt für demokratischen Imperialismus. Das lesen Sie nicht in der Zeitung, aber es ist eine Tatsache.

Ich wundere mich oft darüber, dass wir im Westen uns berufen fühlen, aus den muslimischen Völkern aufrechte Demokraten machen zu wollen.
Die Muslime nehmen gerne das Fernsehen, Autos, Coca Cola und die ganze westliche Technologie; aber aus ihnen Demokraten zu machen, wird Generationen dauern – falls es überhaupt gelingt.

Dieses Jahrhundert stellt die Menschheit vor große Gefahren und Herausforderungen:

Bevölkerungsexplosion, Migration, Erderwärmung, Umweltverschmutzung, weltweite Epidemien, globalisierte Kriminalität, international operierende Terrorgruppen und unkontrollierte Finanzmärkte.

Nicht eines dieser Probleme kann Amerika – oder ein weniger mächtiges Land, oder gar die Europäische Union – alleine lösen.
Sie sind nicht einmal in der Lage , auch nur sich selbst vor den Auswirkungen zu schützen.

Meine Damen und Herren, das war es, was ich Ihnen sagen wollte, verzeihen Sie, dass es so lange gedauert hat. Ich beantworte gerne Ihre Fragen, falls Sie noch am Leben sind.

Frage aus dem Auditorium

Herr Schmidt, hätten Sie 1945 vorausgesehen, dass Deutschland die blühende Demokratie werden würde, die es heute ist?

Helmut Schmidt

1945 sicherlich nicht, ich war Kriegsgefangener und mein Horizont reichte gerade bis zum Stacheldraht um unser Lager. Aber 1946, nach meiner Rückkehr – ich war 8 Jahre wehrpflichtiger Soldat – habe ich wohl mit einer Demokratie gerechnet.

Ganz gleich, was Sie über die Nazi-Zeit denken mögen:
Bevor diese verdammten Nazis an die Macht kamen, konnte Deutschland bereits auf eine recht zivilisierte Geschichte zurückblicken.

Die Entwicklung der Aufklärung in Europa und Nordamerika hat von der Unabhängigkeitserklärung in diesem Land bis weit ins 20. Jahrhundert gedauert. Wie können Sie nur annehmen, die Muslime könnten das schneller schaffen als Sie selbst?